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Inflation: Liebe EZB-Banker, nun wird es brandgefährlich für die kleinen Leute!

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Inflation: Liebe EZB-Banker, nun wird es brandgefährlich für die kleinen Leute!

Die Tage war ich mal wieder mit meinen Kumpels in meiner Stammkneipe Skat spielen. In Schwaney, ein kleiner Ort im ländlichen Raum bei Paderborn. Die Kneipe befindet sich gegenüber einer geräumten Volksbank. Auch die Sparkasse wenige Meter weiter wurde vor kurzem aufgelöst. Wir sprachen in der Runde darüber und gaben der Digitalisierung die „Schuld“ für die Aufgabe der Dorfbanken. Wer geht denn heutzutage noch persönlich zum Bankberater? Vielleicht kommt das Internetbanking vielen Bankchefs aber auch gelegen, denn sie müssen ohnehin sparen. Grund dafür ist die seit Jahren anhaltende Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Das klassische Zinsgeschäft der Banken funktioniert in Zeiten von Negativzinsen nicht mehr. Zuweilen ist es sogar attraktiver, Bargeld im Schließfach im Keller der Bank zu verstauen, als es am Bankschalter auf das eigene Konto einzuzahlen. Irre!Doch damit nicht genug. Ich befürchte, dass wir noch mit einer weiteren Nullzins-Dekade rechnen müssen. Das geht mitten ins Mark. Denn der Negativzins trifft gerade die kleinen Leute. Doch so weit darf es nicht kommen. Aber der Reihe nach.
 Staaten schieben Strukturreformen auf die lange BankSeit der Finanzmarktkrise vor über zehn Jahren pumpt die EZB Geld in die Märkte, als gäbe es kein Morgen mehr. Sie kauft in großen Mengen Anleihen von Staaten und Unternehmen auf. Die Geldmenge wächst und wächst. Die Mitgliedsstaaten der EU können damit noch leichter das machen, was sie besonders gut können: Schulden aufnehmen.Dabei ist der Zins eigentlich das wichtigste Disziplinierungsinstrument, das unser Wirtschaftssystem kennt. Wenn es mich nichts kostet, verschuldet zu sein, warum sollte ich dann Schulden abbauen statt neue, weitere Schulden aufzunehmen? Viele Staaten und Unternehmen haben die Frage für sich längst beantwortet. Staaten schieben Strukturreformen auf die lange Bank und Unternehmen unterlassen Innovationen. Im Ergebnis sind die Schuldenstände schon lange vor Corona gestiegen, während nicht wettbewerbsfähige Strukturen konserviert werden und die Produktivität stagniert. Dazu kommt die aktuell spürbar ansteigende Inflation. Im Juli lag sie im Euroraum bereits bei über zwei Prozent, in Deutschland betrug sie sogar fast vier Prozent – jeweils im Vergleich zum Vorjahresmonat. Beobachter führen den Anstieg auf die hohen Rohstoffpreise, die temporäre Mehrwertsteuererhöhung sowie auf die neu eingeführte CO2-Abgabe zurück. Da dies Sondereffekte sind, bleiben viele noch gelassen.Ich hingegen halte eine anhaltend hohe Inflation von über zwei Prozent für nicht unwahrscheinlich. Mir berichten immer mehr Mittelständler über nie dagewesene Rohstoffengpässe, die sich zum Teil über mehrere Jahre hinziehen werden. Der Fachkräftemangel ist noch immer akut, in der deutschen Industrie gibt es relativ wenig freie Kapazitäten, die Babyboomer-Generation geht bald in Rente. Das alles spricht für anhaltend steigende Preise und Löhne.Inflation: Die EZB weicht ihr Ziel aufDoch was macht die EZB? Kurz vor dem spürbaren Anstieg der Teuerungsrate weicht sie ihr Inflationsziel auf. Statt „unter, aber nahe zwei Prozent“ strebt die Notenbank neuerdings eine jährliche Inflation von zwei Prozent an und toleriert dabei eine zeitweise Überschreitung. Gleichzeitig sucht sich die EZB neben der Geldwertstabilität neue Ziele und Betätigungsfelder. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.Kurzum: Es ist brandgefährlich, wenn die EZB nicht bald die längst überfällige geldpolitische Wende einläutet. Die Frage ist, ob die EZB dazu noch die Kraft hat oder ob die gegenseitige Abhängigkeit von Politik und Notenbank bereits zu groß ist. Viele Staaten sind so stark verschuldet, dass sie eine steigende Zinslast nicht mehr schultern können. Sie haben sich längst an die niedrigen oder negativen Zinsen gewöhnt und kommen nicht mehr raus aus der Schuldenfalle. In Vergessenheit geraten dabei jene, die schon heute den Preis für die expansive Geldpolitik zahlen. Während Staaten, Immobilienbesitzer und große Unternehmen kurzfristig von den Negativzinsen profitieren, verlieren die Ersparnisse der Kleinsparer an Wert. Hart arbeitende Menschen, die sich was auf die Seite legen, um am Lebensabend mehr zu haben als die, die alles ausgeben. Auf dem Festgeldkonto schmilzt ihr Erspartes. Ihre Lebensversicherungen werfen absehbar immer weniger ab. Das ist ungerecht und setzt Fehlanreize.Auf Pump zu leben wird immer attraktiver: Politik und Banker müssen sich auf ihre eigentliche Aufgabe besinnenDie freiwillige, solide Vorsorge wird immer unattraktiver, auf Pump zu leben immer attraktiver. Das wiederum trägt zur Blasenbildung bei. Wenn diese platzen, bricht das Wachstum ein und die EZB hat wieder einen Grund, neue Staatsanleihen zu kaufen – ein Teufelskreis.Ökonomische Gesetzmäßigkeiten lassen sich auf Dauer nicht außer Kraft setzen. Es ist Zeit, dass sich sowohl die gewählten Politiker als auch die ernannten Zentralbanker wieder auf ihre eigentliche Aufgabe besinnen: Die Politik setzt die Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Gesellschaft, die Zentralbanken stabilisieren den Geldwert. Wenn die Inflation sich hartnäckiger festsetzt als erhofft, dann brauchen wir eine EZB, die entschlossen und ohne falsche Rücksicht auf die Politik antwortet. Zurzeit macht sie nicht den Eindruck, dass sie dazu in der Lage ist.


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